Ich schreibe mir heraus, was ich als besonders wissenswert und relevant für das WGW (oder neue Baugruppen allgemein) empfinde. Bitte kauf das Buch, mein Exzerpt ersetzt das Buch in keiner Weise.
Anklopfen
- Im Wohnprojekt Wien kann nur gemietet und nicht gekauft werden. Eigentümer vom Haus ist der Verein (die Gemeinschaft). Das empfinde ich auch als passend für unser Projekt. Am Ende gehört ja eh alles Gott.
- Die Gruppe sollte erst über die Gründer:innen hinaus vergrößert werden, wenn die Baugruppe den Zuschlag für ein Grundstück erhalten hat und die groben Eckpfeiler vom Projekt festgelegt wurden.
An Interessenten wird es nicht scheitern. Bei den Informationsabenden gab es rasch 200 Anmeldungen.
Ein paar Punkte sind aber in kleiner(er) Runde unumstößlich festzulegen – siehe Heinz Feldmann’s Praxishandbuch Leben in Gemeinschaft. Aufgelistet werden 21 Entscheidungen, die möglichst frühvom Gründerteam gefällt werden sollten. - Das Mitglieder suchen sollte nicht das Problem sein. Es gibt mittlerweile einige Plattformen im Internet, wo sich Projektinitiativen präsentieren. Manche Städte veranstalten auch Wohnprojekt-Börsen oder Wohnprojektage. Vielmehr haben sie dutzende Stunden damit verbracht, sich für neue Nachbarn zu entscheiden (50 aus 100).
- Als wichtige Erkenntnis empfand ich, dass soziale Durchmischung auch unumgänglich ist, damit man sich kein Altenheim heranzüchtet.
Zweifeln
- Nicht ganz so relevant, aber trotzdem spannend: der Anthropologe Robin Dunbar hat aus Gehirnanalysen berechnet, dass eine Gruppengröße von 150 Menschen das Optimum ist. Das Muster zieht sich von Legionen im alten Rom bis zur modernen US-Navy bis hin zu Nomadenvölkern. Das Konfliktpotenzial ist bei kleineren Gruppen höher. ~150 sind der sweet-spot für ein soziales Ökosystem wo es ordentlich ‚menschelt‘.
- Der Begriff Gemeinschaft ist sehr unterschiedlich konotiert. Notiz an mich: den muss man Weise einsetzen. Nothegger hat das sofort an eine Glaubensgemeinschaft erinnert, an Gruppenzwang und Enge (lol). Ich glaube wir dürfen selber definieren, was wir darunter verstehen, aber in jedem Fall muss man sich bewusst sein, dass jeder was anderes darunter versteht.
- Eine Zusammenfassung aus dem Buch „der Gemeinschaftskompass“ von Eva Stützel (Mitgründerin vom Ökodorf Sieben Linden): Leute, die so ein Projekt gestalten, brauchen eine ähnliche Lebenseinstellung, um langfristig in diesem Kontext zufrieden leben zu können.
Der „Welt als Lernender begegnen“ und „offen für Konflikte“ zu sein – ich dachte – das passt perfekt zu dem in unserer Glaubensgemeinschaft gelebten Prinzip des „Konflikt genießen“. Dazu kommt die Bereitschaft, Verantwortung für andere zu übernehmen und zu gestalten.
Selbsterkenntnis, Gefühle wahrnehmen, eigene Schwächen und Triggerpunkte kennen (lernen) – im Prinzip hebt Stützel die Wichtigkeit von Selbstreflexion hervor – an der Stelle musste ich instantly an ein weiteres Prinzip denken, dass wir bereits relativ bewusst leben: „Observation, Medidation, Application“.
Der letzte genannte Punkt ist im Wesentlichen „Interesse an Menschen“ zu haben. Das Miterleben von vielen biografischen Situationen und Lebenserfahrungen. Das ist im Kern die Haltung hinter Jüngerschaft, wo es hauptsächlich um Mentorship geht: Verantwortung und echtes Interesse füreinander aus Liebe heraus zu haben. Das ist auch nichts was schon in der Wiege lag. Man muss es in erster Linie bekommen wollen.